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Pflegeversicherung ohne Altersrückstellungen: gute Alternative oder Abzocke?

In der heutigen Zeit bieten immer mehr Gesellschaften Pflegezusatzversicherungen mit und ohne Altersrückstellungen an. In einem anderen Beitrag haben wir die Altersrückstellungen bereits ausführlich beschrieben. Da, durch die Altersrückstellung ein durchschnittlicher Monatsbeitrag für die gesamte Vertragslaufzeit kalkuliert wird, können die Versicherten von relativ gleichbleibenden Monatsbeiträgen ausgehen. Die Versicherungsnehmer können durch die gleichbleibenden Beiträge besser kalkulieren und werden im Alter nicht von sehr großen Anpassungen überrascht.

Interessante Basisinformation:
Altersrückstellung = Beitragskalkulation wird mithilfe eines Durchschnittsbeitrages für die gesamte Laufzeit erstellt.
Besonderheit für Tarife ohne AR: geringe Startbeiträge; ab bestimmten Alter werden die Beiträge neu kalkuliert

Graphisches Beispiel der Altersrückstellung einer Pflegeversicherung:

Annahme für die Berechnung:

  1. Eintrittsalter: 30 Jahre (gilt für beide Tarifvarianten)
  2. Leistung in Pflegegrad 5: 1500€
  3. Für Variante ohne AR: Tarif wird bei Alter von 50 Jahren neu kalkuliert

Auswertung des Diagramms:

  • monatlicher Beitrag ohne Altersrückstellung = ca. 7,00 Euro
  • monatlicher Beitrag mit Altersrückstellung (normale Kalkulation) = ca. 30,00 Euro
  • monatlicher Beitrag ohne Altersrückstellung (ab dem 50. Lebensjahr) = ca. 72,00 Euro

Wie entstehen die obigen Werte?

Wer beim Abschluss einer Pflegezusatzversicherung einen Tarif ohne Altersrückstellungen wählt, erhält (für unser Beispiel) bis zum 49. Lebensjahr sehr geringe Versicherungsbeiträge. In dieser Beispielrechnung wird der Tarif ab 50 Jahren erheblich teurer. Bei den Tarifvarianten ohne Altersrückstellungen werden die Beiträge ab einem bestimmten Alter neu kalkuliert. Dies kann beispielsweise mit 45; 50 oder 55 Jahren geschehen.
Wer sich allerdings für eine Pflegezusatzversicherung mit Altersrückstellungen entscheidet, erhält einen durchschnittlichen Monatsbeitrag. Bei dieser Arte zahlt man in jungen Jahren einen etwas höheren Beitrag allerdings wird dieser auch beibehalten und nicht neu berechnet. Bei dieser Variante entfällt die erneute Beitragskalkulation.

Warum also immer mehr Tarife ohne Altersrückstellungen?

Für Laien ist diese Frage erst einmal schnell beantwortet. Viele werden sagen, dass die günstigen Startbeiträge erst einmal bis zum beispielsweise 50. Lebensjahr garantiert sind und somit viel Geld gespart werden kann. „Die Zukunft kann eh keiner beeinflussen und außerdem weiß keiner wie alt man denn wird“. Diese Aussagen sind allerdings falsch. Im Durchschnitt werden Personen ab dem 65. – 70. Lebensjahr pflegebedürftig. Durch die zunehmende Lebenserwartung kann sich dies noch weiter nach hinten verschieben. Die folgende Hochrechnung zeigt Ihnen, was bei der Wahl von Tarifen ohne Altersrückstellungen (AR) gespart beziehungsweise mehr bezahlt wird.

Hochrechnung Tarife mit oder ohne Altersrückstellungen (AR):


*Achtung: Berechnung beruht bei beiden Tarifvarianten auf ein Eintrittsalter von 30 Jahren.

Der obere Teil der Hochrechnung zeigt die Einsparung (durch die Wahl der Tarife ohne AR) vom 30. bis zum 50. Lebensjahr. Der untere Teil wiederum zeigt den Mehrbeitrag ab dem 50. Lebensjahr. Bei der Wahl der Tarife ohne Altersrückstellungen spart der Verbraucher 5.520 Euro bis zum 50 Lebensjahr. Nach dem 50. Lebensjahr wird diese Ersparnis allerdings sehr schnell aufgebraucht und in das Gegenteil umgewandelt.

Wir haben bei einem Alter von 61 Jahren den Punkt erreicht, an dem die Einsparung der ersten 20 Vertragsjahre schon wieder verbraucht wurde.Für unser Beispiel kann man also sagen, dass die Versicherte Person bei der Wahl der Pflegeversicherung ohne AR ab dem 61. Lebensjahr mehr zahlt, wie bei einem Tarif mit Altersrückstellungen.
Wenn man davon ausgeht, dass eine Person bis zum 75. Lebensjahr in die Pflegetagegeldversicherung einzahlt, spart man durch die Wahl der („normalen“) Tarife mit Altersrückstellungen ca. 7000 Euro im Gegensatz zu den Tarifen ohne AR.

Fazit:

Der Trend ist somit klar zu erkennen. Die Pflegezusatzversicherungen ohne Altersrückstellungen haben einen Nutzen, allerdings profitieren lediglich die Gesellschaften von diesem Nutzen. Versicherungsnehmer zahlen auf lange Sicht deutlich mehr, wenn Sie sich für eine Pflegeversicherung ohne Altersrückstellungen entscheiden.